Rowdies aus dem Verkehr ziehen

Veröffentlicht am 16.07.2021 in Verkehr

Rücksichtloses Verhalten dürfen wir auch im Straßenverkehr nicht akzeptieren

Aus Studien wissen wir: Etwa drei Viertel der Bevölkerung fühlt sich bundesweit durch Straßenverkehrslärm gestört. Es hat also großen Einfluss auf Lebensqualität und Gesundheit der Menschen, zumal in Großstädten, wie wir mit Verkehrslärm umgehen. Die Europäische Union hat das längst erkannt: In Stufen werden die zulässigen Dezibel-Grenzwerte bei der Typprüfung von Fahrzeugmodellen gesenkt, von aktuell 72dB auf 70 in 2022 und 68 in 2026. Neu zugelassene Mittelklassewagen bewegen sich dann trotz Verbrennungsmotor (jedenfalls unter Prüfbedingungen) auf dem Geräuschniveau von E-Autos. Hinzu kommen die Maßnahmen zur Verkehrswende, der Ausbau des Öffentlichen Personennahverkehrs, sichere Radwege und emissionsfreie Antriebsarten.

Besonderer Stress entsteht, wenn der Verkehrslärm vorsätzlich erhöht wird, weil Einzelne – fast ausschließlich Männer – der Meinung sind, sie müssten durch besonders tollkühnes Fahren die Aufmerksamkeit ihres (unfreiwilligen) Publikums erhaschen. Hier kommen zum Lärm noch Aggressionen und Gefahren für die Verkehrssicherheit dazu.

Gegen die gefährlichste und dümmste Art der Raserei, die illegalen Autorennen, hat der Gesetzgeber aufgerüstet. Laut § 315d des Strafgesetzbuches werden illegale Autorennen mit Haft bestraft, bei Gefahr für Leib oder Leben mit bis zu fünf Jahren. Das gilt übrigens nicht nur für Rennen mit mehreren Fahrzeugen. Auch Einzeltäter müssen mit Haft- oder hoher Geldstrafe rechnen.

Ein weniger klar zu ahndendes Problem sind die sogenannten Profilierungsfahrten. Wichtigtuer in (häufig technisch manipulierten) Sportwagen, die die Drehzahl hochziehen, auf kurzen Strecken übermäßig beschleunigen und mit schnellen Spurwechseln versuchen, Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Als wäre all das eine Leistung.

Profilierungsfahrten sind keine Straftaten, sondern Ordnungswidrigkeiten. Die Polizei Berlin setzt zur Bekämpfung vorwiegend auf mobile Geschwindigkeitskontrollen und den Einsatz von semi-stationären Geschwindigkeitsmessanhängern. Letztere waren so erfolgreich, dass im Oktober 2020 weitere angeschafft wurden. Weist die Polizei technische Manipulationen am Fahrzeug nach, kann die Betriebserlaubnis entzogen werden. Die bisher wirksamste Sanktion, Unbelehrbare von der Straße zu bekommen. Zumindest vorerst ist die PS-Show vorbei.

Wichtig ist, weiter alle Register zu ziehen: Akustikblitzer, die künftig eine Rolle spielen werden. Die Kontrolldichte zu erhöhen. Und Technik zu verbieten, die Autos lauter macht, als sie sein müssten.